Dienstag, 6. Januar 2009

Lexikon: Vereinigte Staaten von Amerika

Vereinigte Staaten von Amerika

United States of America

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Land: Vereinigte Staaten von Amerika
Offizieller Eigenname: United States of America
Offizieller deutscher Eigenname: Vereinigte Staaten von Amerika
Name der Bewohner: (US-)Amerikaner

Nationalfeiertag: 4. Juli
Zeitzone: -6 bis -11
Hauptstadt: Washington, D.C. (563 400 Einw.)
Telefon-Vorwahl: +1
Kfz-Kennzeichen: USA
Mitgliedschaften: G-8, Nafta, Nato, OAS, OECD, OSZE, Uno

AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

AKTUELLE ENTWICKLUNG 2008

4. November Yes, we can! Das Bangen und Zittern hat ein Ende, der 44. Präsident der USA ist gewählt. Barack Hussein Obama, 47, wird der erste Schwarze auf diesem Posten sein. Fast überall auf der Welt wird die Wahl des Demokraten als historisch begrüßt und gefeiert - sogar mit "Weltpräsident" wird er ein wenig übertrieben tituliert. Als Sohn eines Kenianers und einer weißen, aus Kansas stammenden Mutter wuchs Obama auf Hawaii, in Indonesien und den USA auf. Über 66 Millionen Wahlberechtigte geben ihm ihre Stimme, sein Konkurrent, der 72-jährige republikanische Senator und Vietnamveteran John McCain erhält respektable 58 Millionen. Bei den entscheidenden insgesamt 538 Wahlmännerstimmen liegt Obama aber mit 365 zu 162 weit vorn. Das Ergebnis kommt nicht überraschend, fast alle Meinungsumfragen hatten ihn in den Wochen vor der Wahl als sicheren Sieger gesehen. Seine Kampagne hatte der Senator aus Illinois clever geplant: Perfekt inszenierte Wahlkampfauftritte, eine Spendenkampagne im Internet, die ihm hunderte Millionen Dollar einbrachte, sowie massive Fernsehwerbung ließen seinem Gegner McCain kaum eine Chance. Bei den Vorwahlen hatte es lange Zeit so ausgesehen, als würde auch diese Bewerbung eines Schwarzen scheitern. Noch nie hatte es ein Schwarzer zum Kandidaten einer der beiden großen Parteien gebracht. Seine innerparteiliche Konkurrentin, die New Yorker Senatorin und ehemalige First Lady Hillary Clinton, lieferte ihm einen erbitterten Vorwahlkampf. Erst Anfang Juni hatte Obama genug Delegiertenstimmen, um seine Nominierung zu sichern. Von der Bekanntgabe seiner Bewerbung im Februar 2007 bis zum Wahltag unterlief ihm kein einziger größerer Fehler. Die Nominierung des erfahrenen Senators Joe Biden als Vizekandidat war für Obama ebenso sehr ein Erfolg wie die Bekanntgabe von McCains Kandidatin, Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, zum Desaster geriet. Bei der 56. Präsidentenwahl in der Geschichte der USA geben 126 Millionen Menschen ihre Stimme ab, die Wahlbeteiligung liegt bei rund 58 Prozent, zuletzt war sie 1968 höher. Wichtige Bundesstaaten wie Florida, Ohio, North Carolina oder Virginia, die 2004 noch für Bush gestimmt hatten, fallen diesmal dem Demokraten Obama zu. Auch in beiden Häusern des Kongresses bauen die Demokraten ihre schon bestehenden Mehrheiten aus. Bis zur Amtsübergabe mit feierlichem Eid am Mittag des 20. Januar muss das Obama-Team nun ein arbeitsfähiges Kabinett auf die Beine stellen. In dieser "transition"-Periode streckt "president elect" Obama auch international seine Fühler aus. So nimmt etwa für ihn Madeleine Albright, Bill Clintons Außenministerin, als Beobachterin am G-20-Gipfel am 15. November in Washington teil. DER SPIEGEL vom 10. November: "Das Projekt Obama" und DER SPIEGEL vom 10. November: "Im Gelobten Land" und DER SPIEGEL vom 10. November: "Ein Weltkrieg ohne Krieg" und DER SPIEGEL vom 1. Dezember: "Vom Glück verwöhnt".

13. Februar Sein Schlachtruf heißt "Yes, we can!": Barack Obama triumphiert auch nach der heutigen Vorwahlrunde. Maryland, Virginia und die Hauptstadt Washington - der jugendlich wirkende schwarze Senator aus Illinois gewinnt überall klar, in Washington mit eindrucksvollen 75 Prozent der Stimmen. Er schwimmt zurzeit auf einer Woge der Sympathie von Erfolg zu Erfolg, hat Maine an der Ostküste eingesackt, Louisiana am Golf von Mexiko, Washington State am Pazifik, sogar Nebraska im Herzen der Union. Niemand scheint ihn aufhalten zu können. Während im Lager von Hillary Clinton Panik ausbricht und die ehemalige First Lady ihre Wahlkampfleiterin Patti Solis Doyle feuerte, zieht Obama bei der Delegiertenvergabe jetzt klar an seiner Konkurrentin vorbei. Aber auch mit dieser Siegesserie ist noch keine endgültige Entscheidung über die Präsidentschaftsnominierung gefallen. Über insgesamt 4049 Delegierte ist bis zur letzten Vorwahl am 7. Juni in Puerto Rico zu entscheiden. Schon nach dem "Super-Duper-Tuesday" am 5. Februar - diesem historischen Vorwahl-Dienstag, an dem in so vielen US-Bundesstaaten wie noch nie gewählt wurde - war erkennbar, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss geben würde. Hillary Clinton gegen Barack Obama, ob überhaupt einer von beiden die "magic number" von 2025 Delegierten für die Nominierung erreichen kann, ist offen. In über 30 Staaten, Außengebieten und für US-Bürger im Ausland haben die Demokraten inzwischen ihre Primaries und Caucuses abgehalten. Obama erhielt bis jetzt - nach einer vorläufigen Zählung von CNN - 1215 Delegiertenstimmen, Clinton 1190. Im Februar sind Hawaii und Wisconsin an der Reihe, Anfang März ist unter anderem der bevölkerungsreiche Staat Texas (228 Delegierte) am Start, Pennsylvania (188) Ende April und North Carolina (133) folgt Anfang Mai. Die Wahlstrategen von Hillary Clinton wissen, dass sie dort siegen muss. Der Nominierungsparteitag vom 25.-28. August in Denver schließlich besiegelt, wer am 4. November gegen den republikanischen Kandidaten antritt. Der wird wohl John McCain heißen. Der 71-jährige Senator und Vietnamkriegsheld liegt inzwischen so weit vorn, dass an seiner Nominierung in St. Paul Anfang September nicht mehr zu zweifeln ist. Sein Konkurrent Mike Huckabee konnte im Vergleich lediglich ein gutes Viertel der Delegiertenstimmen McCains gewinnen. Obama gegen McCain oder Clinton gegen McCain? Im ersten Fall gehen die Heerscharen der "pollster" von einem Sieg der Demokraten aus. Wer am 20. Januar 2009 vor dem Washingtoner Kapitol feierlich als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt werden wird, ist noch völlig ungewiss. DER SPIEGEL vom 7. Januar: "Prinzip Hoffnung" und DER SPIEGEL vom 14. Januar: "Der Planet Wahlkampf" und DER SPIEGEL vom 28. Januar: "Die Clintons im Krieg" und DER SPIEGEL vom 2. Februar: "Alles Obama" und DER SPIEGEL vom 2. Februar: "Geister von gestern" und DER SPIEGEL vom 11. Februar: "Ich habe die größere Erfahrung" und DER SPIEGEL vom 11. Februar: "Der Menschenfänger".

DIPLOMATISCHE VERTRETUNGEN

Pariser Platz 2, D-10117 Berlin Telefon: +49-30-23 85 174Fax: -23 86 290
Internet:www.us-botschaft.deDeutsche Botschaft in den USA: 4645 Reservoir Road, N.W., Washington D. C. 20007-1998 Telefon: +01-202-298 81 40Fax: -298 42 49
Internet:www.germany-info.org
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GEOGRAFIE, BEVÖLKERUNG

Fläche: 9 826 630 km²
Verwaltung: 50 Bundesstaaten plus District of Columbia mit der Bundeshauptstadt Washington
Bevölkerung: 301,621 Mio. Einw. (2007) davon 75,1 % Weiße, 12,3 % Schwarze, 3,6 % Asiaten, Indianer 0,9 %; Hispanics 12,6 % (Census 2000)
Flüchtlinge: 843 498
In Städten leben 81 %
Bevölkerungsdichte: 33 Einw./km²
Bevölkerungwachstum: 0,9 %
Fruchtbarkeitsrate: 2,1 Geb./Frau
Landessprachen: Englisch , weitere: Spanisch
Religionen: 51,3 % Protestanten, 23,9 % Katholiken, Minderheit von Juden und Muslimen (2007)
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POLITISCHES SYSTEM

Unabhängig seit 1776. Präsidialrepublik. Verfassung von 1787, letzte Änderung 1992. Mehrheitswahlrecht. Zweikammerparlament Congress: Repräsentantenhaus (House of Representatives; 435 Abg., Direktwahl alle 2 J.) und Senat (Senate; 100 Mitgl., je 2 pro Bundesstaat; alle 2 J. Wahl eines Drittels der Senatoren für 6 J.). Allg. Wahlrecht ab 18 J. Indirekte Wahl des Staatsoberhaupts - einmalige Wiederwahl zulässig - und des Vizepräsidenten für 4 J. durch 538 direkt gewählte Wahlmänner (»electoral college«). Wahl am Dienstag nach dem ersten Montag im November. Staats- und Regierungschef: George W. Bush (seit Januar 2001) Vizepräsident: Richard Cheney (seit Januar 2001) Außenministerin: Condoleezza Rice
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MILITÄR

Allg. Wehrpflicht: nein
Streitkräfte: 1 546 372 Mann (Heer 595 946, Luftwaffe 347 400, Marine 376 750)
Militärausgaben (am BIP): 4,1 %
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GESUNDHEIT, SOZIALES, BILDUNG

Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 6,9 %
Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (am BIP): 5,9 %
Öffentliche Ausgaben für Altersversorgung (am BIP): 7,5 % (2003)
Medizinische Versorgung Ärzte: 2,3/1000 Einw.
Krankenhausbetten: 3,3/1000 Einw.
Säuglingssterblichkeit: 6/1000 Geb.
Müttersterblichkeit: 11/100 000 Geb.
Kinderunterernährung:
Kinderarbeit:
Armutsrate:
Frauenanteil an den Beschäftigten: 46,2 %
Zugang zu sauberem Trinkwasser: 100 % der städtischen, 100 % der ländlichen Bev.
Zugang zu sanitären Anlagen: 100 % bzw. 100 %
HIV-Infektionsrate: 0,6 %
Lebenserwartung: Männer 75 J. , Frauen 81 J.
Schulpflicht: 7-16 J.
Einschulungsquote: Primärbereich 92 % , Sekundärbereich 89 %
Analphabetenrate: Männer , Frauen
Universitäten: 4000 Colleges und Universitäten, darunter die ältesten und immer noch renommiertesten wie Harvard (gegr. 1636), College of William and Mary (1693), Yale (1701), Princeton (1746)
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WIRTSCHAFT

Währung: 1 US-Dollar (US$) = 100 Cents
Kurs (Mitte 2006): 1 US$ = 0,64 EUR (Mitte 2008)
BSP: 13 886,472 Mrd. US$
Wachstumsrate des BIP: 1,9 %
BSP/Kopf: 46 040 US$
Anteile am BIP: Landwirtschaft 1 % , Industrie 22 % , Dienstleistungen 77 % (2004)
Forschung+Entwicklungsausgaben (am BIP): 2,60 %
Arbeitslosenquote: 4,6 %
Inflationsrate: 3,2 %
Staatseinnahmen: 2285,5 Mrd. US$ (2006, Zentralstaat plus Sozialversicherungsbeiträge)
Steueraufkommen (am BIP): 11,2 %
Einkommensteuer: 35 %
Körperschaftsteuer: 35 %
Staatsausgaben: 2708,7 Mrd. US$ (2006, Zentralstaat plus Sozialversicherungsausgaben)
Haushaltsdefizit (am BIP): 3,7 % (2003)
Staatsverschuldung (am BIP):
Leistungsbilanzsaldo: -791,509 Mrd. US$
Devisenreserven: 188,259 Mrd. US$
Empfangene Entwicklungshilfe:
Geleistete Entwicklungshilfe: 27,622 Mrd. US$
Ausl. Direktinvestition: 109,754 Mrd. US$
Börse (Marktkapitalisierung am BIP): 136,9 %
Energie: Produktion 1641,0 Mio. t ÖE , Verbrauch 2325,9 Mio. t ÖE , Anteile am Verbrauch Atomenergie 7,9 %, Erdgas 24,7 %, Kohle 25,0 %, Öl 39,8 %, sonstige 2,6 %

Landwirtschaft, Rohstoffe, Industrie:
Nutzfläche: 19,1 % , von der Anbaufläche sind 12,7 % bewässert bewässert
Produkte: Weizen, Mais, Gerste, Wein, Kartoffeln, Zuckerrüben, Zitrusfrüchte, Baumwolle, Tabak; Rinder-, Schweine-, und Geflügelzucht
Bewaldet: 3 031 000 km²
Rodung (jährlich): -2961 km²
Rohstoffe: Erdöl, Erdgas, Kohle, Kupfer, Eisen, Silber, Uran
Beschäftigte: Industrie 31 % (m), 11 % (w) , Landwirtschaft 4 % (m), 1 % (w) , Dienstleistung 65 % (m), 88 % (w)
Wichtige Industriezweige: Kraftfahrzeuge, Elektronik, Chemie, Maschinenbau, Flugzeuge, Rüstungsgüter, Nahrungsmittel

Außenwirtschaft:
Handelsbilanzsaldo: -758,524 Mrd. US$
Export: 1445,702 Mrd. US$ , davon Maschinen u. Anlagen 39,9 %, industrielle Vorprodukte 26,6 %, Konsumgüter 12,5 %, Kfz u. -Teile 10,3 %, Nahrungsmittel/Getränke 6,4 % (2006)
Hauptausfuhrländer: Kanada (22,2 %), Mexiko (12,9 %), Japan (5,8 %), VR China (5,3 %), Großbritannien (4,4 %), Deutschland (4,0 %) (2006)
Hightech-Exporte: 216,016 Mrd. US$
Import: 2204,226 Mrd. US$ , davon industrielle Vorprodukte 32,5 %, Konsumgüter 23,9 %, Maschinen u. Anlagen 22,6 %, Kfz u. -Teile 13,8 %, Nahrungsmittel/Getränke 4,0 % (2006)
Hauptlieferländer: Kanada (16,4 %), VR China (15,5 %), Mexiko (10,7 %), Japan (8,0 %), Deutschland (4,8 %), Großbritannien (2,9 %) (2006)
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VERKEHR

Schienennetz: 228 999 km
Straßennetz: 6 433 272 km , davon 64,5 % befestigt
Motorisierung: 808 Kfz/1000 Einw.
Internationale Flughäfen: rd. 180 (die größten: Atlanta, Chicago, Los Angeles, Dallas, San Francisco, New York-JFK)
Fluggesellschaften: American Airlines, Continental, Delta, Northwest, Southwest, United, US Airways , beförderte Passagiere: 720,548 Mio.
Haupthäfen: South Lousiana (New Orleans), Houston, New York
Binnenschifffahrt auf 41 009 km ohne Große Seen Flüssen und Kanälen möglich
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KOMMUNIKATION

Auf 1000 Einw. kommen 2109 Rundfunk-, 938 Fernsehgeräte, 606 Telefonanschlüsse, 680 Mobiltelefone, 762 PC, 630 Internet-Nutzer
IuK-Ausgaben (am BIP): 8,8 %
Anzahl Tageszeitungen:
Gesamtauflage Tageszeitungen:
Die größten Tageszeitungen und ihre Auflagen:
USA Today 2,3 Mio., Wall Street Journal 2,1 Mio., New York Times 1,0 Mio., Los Angeles Times 0,86 Mio., Washington Post 0,67 Mio. (Stand: 31.3.2008, Audit Bureau of Circulatons)
Nachrichtenagenturen: Associated Press, Bloomberg News, Dow-Jones Newswires, Jewish Telegraphic Agengy, Religion News Service, United Media, United Press International
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UMWELT, TOURISMUS

Geschützte Gebiete: 16,3 % der Landesfläche
Energieverbrauch/Kopf: 7921 kg ÖE
CO2-Emission: 5788,2 Mio. t
Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 41 % , Industrie 46 % , Haushalte 13 %
Tourismus: 49,2089 Mio. Besucher
Einnahmen: 122,944 Mrd. US$
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ZUSATZINFO:

PRÄSIDENTEN UND VIZEPRÄSIDENTEN


source spiegel

Sonntag, 4. Januar 2009

OBAMAS AMTSEINFÜHRUNG Zu viel Kirche, zu wenig Coolness

OBAMAS AMTSEINFÜHRUNG

Zu viel Kirche, zu wenig Coolness

Auf Bush folgen Bibel und Beständigkeit: Barack Obamas Amtseinführung am 20. Januar wird weltweit mit Spannung erwartet. Doch das Programm der Inaugurations-Zeremonie sorgt für Unmut bei der liberalen Gefolgschaft.

Spätestens mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten am 20. Januar 2009 sollen die bösen Geister der Bush-Ära aus Washington vertrieben werden. Der Einzug des jungen, schwarzen Demokraten ins Weiße Haus, ein wahrhaft epochales Ereignis, soll groß gefeiert werden.

Prediger Warren, Obama (2006): Irritierende Zweckgemeinschaft
AP

Prediger Warren, Obama (2006): Irritierende Zweckgemeinschaft

Seit ein paar Tagen liegt auch das Kulturprogramm der stets mit viel Pomp inszenierten Vereidigungszeremonie vor. Dabei wird deutlich, dass es Obama nicht um Bush-Exorzismus geht – das sagen allein die Namen, die sich auf den Veranstaltungsbillets finden. Die Verteilung der Rollen deutet eher darauf hin, dass der 44. US-Präsident das Aufkommen jeglicher Partylaune in der eigenen Anhängerschaft vermeiden will. Die drückenden Probleme, die Barack Obama im Oval Office erwarten - wirtschaftliche Rezession, Krieg und Krisen im Nahen Osten und dem Subkontinent – werden Stirnfalten hervorrufen, Lametta wäre da fehl am Platz. Manche seiner Unterstützer hat Obama mit der Wahl seiner Honoratioren dennoch regelrecht brüskiert.

Die Ära der Neocons in Washington mag jetzt vorbei sein, aber Obama präsentiert sich am 20. Januar nicht als Liberaler. Der 44. Präsident der USA outet sich am Tag der Amtseinführung als entschiedener Wertkonservativer. Die Hauptpredigt beispielsweise soll von dem konservativen Evangelikalen Rick Warren gehalten werden. Warren wettert von der Kanzel mit Verve gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Dass ausgerechnet er am Tag des allgemeinen "Change" die theologische Message verbreiten soll, löste nicht nur bei schwulen Bürgerrechtlern Ratlosigkeit, wenn nicht gar offene Empörung aus.

Er sei "zutiefst enttäuscht," beschreibt Kongressmann Barney Frank, der erste offen bekennende Homosexuelle im Repräsentantenhaus, seine Gefühle angesichts des umstrittenen Predigers. "Natürlich hat Reverend Warren ein Recht, seine Meinung zu verkünden, auch auf seine sehr verletzende Art," erklärte Frank, der nicht wie Warren Baptist, sondern Jude ist, auf CNN. Frank findet die Wahl Warrens "falsch" für einen Präsidenten, der einst als Kandidat beteuerte, die Rechte seiner homosexuellen Unterstützer zu schützen.

Warrens Kirche akzeptiert keine homosexuellen Mitglieder, auch unverheirateten Hetero-Paaren bleibt die Gemeinde verschlossen. Die Feministin Katha Pollit wirft Warren vor, seine Kirchenpolitik entmündige Ehefrauen, weil sie die Entscheidungen ihrer Männer grundsätzlich zu unterstützen hätten - auch bei begründeten Meinungsunterschieden. Berüchtigt ist auch die Antwort, die Rick Warren in Aspen, Colorado einer Jüdin gab, die ihn fragte, ob sie nach ihrem Tode zwangsweise in der Hölle brennen müsse. Der große, rundliche Charismatiker antwortete mit einem klaren, atemberaubenden "Ja". Atemberaubend deswegen, weil viele Saalmitglieder hörbar den Atem anhielten.

Wird Warren sich mäßigen?

Undenkbar, dass ein Prediger zur Feier eingeladen worden wäre, der Schwarze oder Frauen in seine Kirche nicht aufnimmt. Doch Obama, der auch die konservativen Kräfte im Land auf seine Seite ziehen muss, öffnet sich im Namen der Toleranz einer Kirche, die selbst nicht offen ist. In seinem Bestseller, "The Purpose Driven Life", in Deutschland als "Leben mit Vision" veröffentlicht, beschreibt Warren, wie Gott seinem auserwählten Kirchenführer den Hirtenauftrag gibt, die Gemeinde zu hüten. Diejenige Gläubigen, die keine Kirchenmitglieder sind, werden "vom Satan geliebt", so Warren, "denn diese abgetrennten Gläubigen sind schutzlos und machtlos gegen seine Raffinesse".

Wer im heutigen, modernen Amerika, für das Barack Obama wie kein anderer steht und künftig stehen soll, maßt sich an, über Agnostiker, Homosexuelle oder Juden und ihren Glauben so apodiktisch zu urteilen? Kein Wunder, dass Obamas liberale Anhängerschaft verwundert und irritiert ist, ob dieser konservativen Wahl ihres Kandidaten.

Am Tag der Amtseinführung werden sie trotzdem in die Hauptstadt strömen, Millionen Obama-Anhänger, darunter Popstars wie Rapper Kanye West und Hollywood-Größen wie Filmregisseur Steven Spielberg, Diven wie die R&B-Sängerin Beyoncé Knowles, die wie ihr Mann Jay-Z auf ein Inaugurations-Engagement spekulierte. Alle kommen, um ihren ganz persönlichen Evangelisten des Wandels in Augenschein zu nehmen.

Aber vor der weißen Kuppel des Kapitols, im eigentlichen Moment der Vereidigung, wird nicht ein Hauch von Pop und hedonistischer Gegenkultur zu spüren sein. Viele hatten gehofft, dass Obama am 20. Januar ein Signal setzen würde, wie man es in den protestbewegten sechziger und siebziger Jahren bei politischen Demonstrationen oder Konzerten wie in Woodstock erlebt hatte. Doch diese wilden Zeiten kehren weniger als Zukunftsvision denn als Denkmal in die Zeremonie zurück.

Bekenntnis zu Bibel und Beständigkeit

Denn es ist nicht die junge Beyoncé, die zu Ehren des neuen Präsidenten singen wird, sondern Aretha Franklin. Die 66-jährige Soul-Queen hat fast alle großen R&B-Künstler überlebt: Ray Charles starb bereits 2004, James Brown starb an Weihnachten 2006, und Sam Cooke, dessen elegante Ausstrahlung man oft mit Obama vergleicht, wurde nicht älter als 33 Jahre.

Cooke, der eher für seine leichten Lieder wie "Wonderful World" bekannt ist, schrieb 1963, kurz vor seinem Tod, den monumentalen Song "A Change is Gonna Come." Das Lied steigt in den USA noch immer als leise Urklage auf: "I was born by the river in a little tent/ Oh and just like the river, I've been running ever since." Die Verse "Its been a long, a long time coming/ But I know a change is gonna come," wurden zur Hymne der schwarzen Bürgerrechtsbewegung - und im vergangenen Jahr auch zu einem Leitsong des Obama-Wahlkampfes. Cookes Song besingt die quälende Langsamkeit gesellschaftlichen Wandels, aber auch, letztlich optimistisch, das Unvermeidliche daran.

Auch Aretha Franklin hat Sam Cookes "A Change is Gonna Come" einmal aufgenommen. Aber wird sie es nun auch vor dem Kapitol singen? Franklin gehört inzwischen selbst viel zu sehr zum Repertoire der amerikanischen Klassik, als dass ihre Gegenwart allein "Change" signalisieren würde. Sie sang nicht nur für Martin Luther King und Bill Clinton, im Jahre 2005 wurde ihr von George W. Bush die "Medal of Freedom" verliehen. Dass Obama sie in die erste Reihe schickt, ist ein klares kulturpolitisches Bekenntnis zu Bibel und Beständigkeit: Denn die Heimat der Soul-Diva, die auch in den Sechzigern nie etwas mit Drogen oder wilden Partys zu tun hatte, ist seit langem die Kirche.

In einer Zeit, in der nachgeborene Soul-Sängerinnen wie Amy Winehouse bereits mit 25 Jahren an das Ende ihrer künstlerischen Existenz geraten, klingt ihre Vita reichlich anachronistisch. Franklin machte sich bereits in den fünfziger Jahren einen Namen als Gospelsängerin; im Alter von 14 und 16 Jahren gebar sie als Teenager ihre ersten beiden Kinder. In ihren Liedern gibt sie Lebens-Nachhilfe: "Think !", "R-E-S-P-E-C-T" "Do Right Woman, Do Right Man." So aneinandergereiht, erscheinen diese Hits als kleiner, feiner Katalog für Obamas neuen Wertkonservatismus.

Doch christliche Sänger sind eine Sache, christliche Präsidenten eine andere. Auf den konservativen Christen Obama scheinen die Linksliberalen nicht vorbereitet zu sein. Seine Vorliebe für kontroverse Prediger ist seit der Affäre um den Reverend Jeremiah Wright gut bekannt. Damals lautete die knifflige Frage, ob Obama insgeheim zu schwarzem Nationalismus oder gar Linksradikalismus tendierte.

Konservatives Kultur-Statement

Nun fragt man angesichts des geplanten Auftritts von Rick Warren, der beste Chancen hat, die Rolle des inzwischen 90-jährigen Baptisten Billy Graham als "Prediger der Präsidenten" zu übernehmen, wie stark Obama seine christlichen Überzeugungen in seine säkular geprägte Partei einbringen will. Eine Partei, die sich auch als Regenbogenkoalition von Arbeitern, Juden, Schwarzen, Feministinnen und Homosexuellen versteht. Zu welchen Kompromissen wäre Obama bereit, um die Millionen Evangelikalen in seinen Bann zu ziehen? Welcher Gerechtigkeitstraum der Regenbogen-Sechziger wird nun Wirklichkeit, welcher wird vertagt oder gar vergessen?

Angesichts der konservativen Kultur-Statements unter Druck geraten, verteidigt sich Obama, dass er am 20. Januar die gesamte Nation einladen wolle, in einen neuen Dialog zu treten. Bei seiner Inauguration will er in die Fußstapfen des größten amerikanischen Präsidenten treten. Wie Abraham Lincoln wird er im Zug von Philadelphia, der alten Quäkerstadt der "Brüderlichen Liebe", nach Washington fahren. Vor dem Kapitol wird er seinen Eid auf die amerikanische Verfassung schwören, und zwar mit einer Hand auf derselben Bibel, die Lincoln 1861 zum selben Zwecke berührte.

Aber wer die Lincoln-Bibel für einen solchen Ritterschlag herausholt, sollte wissen, dass Abraham Lincoln selber niemals Kirchenmitglied war. Die Lincoln Bible wurde kurz vor der Vereidigung am 4. März 1861 eilig eingekauft, weil Lincoln seine Familienbibel nicht im Gepäck hatte. Lincoln, wie vor ihm George Washington, vollendete seinen Eid eher freidenkerisch. Die Bibel wurde an einer beliebigen Stelle geöffnet und die zufällig bestimmte Passage gelesen.

Auch diese strenge Säkularität hat im überaus christlichen Amerika eine lange Tradition. Auf die Trennung von Staat und Religion waren die Gründerväter stolz. Wenn Obama also auf einen wertkonservativen Kurs einschwenkt, dann sollte er diese älteste aller Traditionen Washingtons nicht missachten.


source spiegel


Donnerstag, 1. Januar 2009

HAPPY NEW YEAR!

HAPPY NEW YEAR!